Halte deine Freunde nahe bei dir, aber deine Feinde noch näher

Nicht, dass ihr mich falsch versteht. Wahre Freundschaft ist keineswegs etwas, dass ich nur vom Philosophieunterricht kenne. Aber wir kennen sie doch alle. Die Kindergartenfreunde. Diese Freundschaften halten oft nicht lang. Man verliert sich aus den Augen, entfremdet sich und geht getrennte Wege. So war es bei mir aber nicht... Ich nenne sie jetzt mal 0815. Nicht einfach so. Sie ist ein Snob. Trinkt verdünnten Orangensaft. Geht im Ausland einkaufen, obwohl mehr als genug Geld da ist. Wuchs in einer perfekten Welt auf. Snob. Totaler Snob. Ich will nicht fies sein, echt nicht. Wenn sie einen guten Charakter gehabt hätte, hätte ich darüber hinwegsehen können. Hätte es sehr wahrscheinlich sogar als liebenswürdig erachtet. Nur so war es nicht. Ich war 6 Jahre alt, und wusste noch nicht was auf mich zukommen würde. Es war der erste Schultag. Totale Aufregung. Als sie mich ansprach, war ich überglücklich. Ich hatte in dieser fremden Welt jemanden gefunden. Bald bemerkte ich, dass etwas nicht stimmte. Ich glaube das Schlüsselereignis war, als mich ihre Mutter wegen unpassender Waldkleidung ausgelacht hat. All meine dunklen Kleider waren in der Wäsche. Tut mir leid. Warum ich mich damals entschuldigt habe, weiss ich nicht. Ich weiss nur, dass ich mich in den nächsten Jahren für alles bei 0815 entschuldigte. Dass ich versucht habe, auch andere Freunde zu finden. Sie durfte andere haben, ich natürlich nicht. Ich weinte. Oft. Tränen der Wut über mich selber. Sie hatte mich im Griff. Ich glaube, ich habe das damals nicht richtig realisiert. Erst, als etwas Schlimmes in meiner Familie passierte. Was genau, tut hier nichts zur Sache, das ist eine andere Geschichte. Sie wollte nicht, dass ich es den anderen erzähle. Es war nichts für das ich mich schämen müsste. Nur ein einziges Wort. Krebs. Ich realisierte, dass sie nicht wollte, dass ich mein Schicksal über einen kurzen Zwischenfall in ihrer Familie stellte. Sie wollte das Mitleid. Sie wollte von den Anderen als reif erachtet werden. Ich durfte ihr das nicht wegnehmen. Bald darauf trug ich eine Narbe über meinem Herzen. Ich wurde anders. Las Erwachsenenbücher, machte mir grosse Gedanken. Fing an zu schreiben. Wurde Depressiv, und überwand es wieder. Gewann Selbstvertrauen und verlor es wieder. Ich betrachtete die Welt aus anderen Augen. Jetzt sehe ich zwar nicht mehr oft. Aber sie kotzt mich an. Ich bin nicht daran interessiert mich dauernd zu besaufen. Ich wüsste nicht, was es mir bringen würde. Trinken ja, kein Problem, aber mit Mass. Bin nicht daran interessiert so vielen Typen wie möglich zu gefallen. Mag ihre Vorträge darüber nicht mehr hören, wie reif sie anscheinend ist. Ich möchte schreien. Ob ich sie hasse? Ich weiss es nicht. Das einzige was ich weiss: Ich hätte ihr nie etwas davon gesagt. Kein Wort.

1.3.15 15:09

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